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Kennst Du Winnie Pooh?

Das ist dieser knuffig rundliche Bär, der mit seinen Freunden durch den Hundertmorgenwald zieht und Geschichten erzählt über Freundschaft und Abenteuer. Er ist dabei so sympathisch tapsig , so dass wir ihm  alles verzeihen würden, z.B. dass er doch eigentlich nur an eins denkt: Nämlich ans Essen.

Mein Sohn bekam ein süßes Exemplar zur Geburt geschenkt. Auch ihm war er so ans Herz gewachsen, dass wir damals dieses Tierchen hüteten, wie unseren Augapfel, damit er nicht verloren ging.

Damals haben wir uns etliche Bilderbücher und Filme von ihm angesehen. Aber es ist mir einfach nicht aufgefallen….

Manchmal brauchst du Abstand und Neutralität, um auf das zu blicken, was sich wirklich zeigt und die „Brille“ abnehmen.

Wenn Du nämlich genauer hinter Walt Disneys Geschichte blickst, erkennst du, dass sie sich mit einem ernsthaften Thema auseinander setzt: Es geht um die Natur der häufigsten psychischen Problemen von Kindern & Jugendlichen.

Winnie Pooh, der Hauptdarsteller, ist „leicht“ übergewichtig und denkt nur ans Essen (Essstörung).

Ferkel leidet unter permanenten Ängsten. Immer wieder bemüht es sich, seine inneren Hürden zu überwinden (generalisierte Ängste) und seine Freunde ermuntern es bei jeder „Herausforderung“ aufs Neue.

Tigger hüpft den ganzen Tag ungebändigt durch die Gegend, kann sich schlecht konzentrieren, um als nächstes in ein dunkles Stimmungstief zu fallen (Bipolare Störung, ADHS). Das ist manchmal ganz schön anstrengend für seine Freunde. Aber durch ihre Geduld und Nachsicht würden sie ihren Freund niemals ausschließen.

Esel- I-Ah ist doch eigentlich immer schlecht drauf. Er bemitleidet sich selbst und hat selten gute Stimmung (Depression).

Auch Rabbit (Zwangsneurose) und Mama Känguru (Verlustängste) spielen durchgängig ihre Rollen.

 

Warum ist das Thema so wichtig?

Filme haben uns schon immer dabei geholfen, schwierige Themen zu ent-tabuisieren. Ich denke da an

  • Besser geht`s nicht
  • Monk
  • Einer flog übers Kuckucksnest
  • Das weisse Rauschen
  • Eine verhängnisvolle Affäre
  • Rain Man

Der Symptomträger ist der Held der Geschichte. Anstatt zu urteilen, schmunzeln wir über seine „Macken“, haben Mitleid und sind gerührt. Sie ergreifen uns in der Tiefe unserer Gefühle.

Und dein Held ist dein Kind.

Allerdings fällt uns die Realität viel schwerer. Da halten wir uns gerne zurück, weil es uns Angst macht.

Dass die Anzahl von psychischen Anzeichen steigen, ist aber Realität. Ich möchte jetzt keine Hochrechnung starten, auch keine Pferde scheu machen. Aber es lohnt sich für alle Eltern, ein paar Dinge zu diesem Thema zu kennen. Besonders dann, wenn du bereits das Gefühl hast, irgendwas läuft da aus dem Ruder.

Wer außer dir könnte dieses Gefühl besser haben?

Wer außer dir kann die Situation in die Hand nehmen?

Wenn du verstanden hast, dass du bei vielen Auffälligkeiten gegen steuern kannst, dann ist es eine Chance. Kennst du die Gründe, warum „kleine Macken“ zu einem handfesten Problem werden können?

Unwissen

Scham

Nicht behandeln

Ich finde, das ist es wert!

Natürlich. Nicht jedes außergewöhnliche Verhalten ist gleich ein Problem. Nicht jede Veranlagung muss gleich behandelt werden, z.B. Schüchternheit, auffälliges Temperament, Ängstlichkeit. Kinder und Jugendliche machen auch Stufen in der Entwicklung durch, wie z.B. verschiedene Erscheinungen von Ängsten. Die Bewältigung von Ängsten gehört zu den „normalen“ Entwicklungsverläufen von Kindern. Vorausgesetzt, sie sind altersgemäß und vorrübergehend.

Aber die allermeisten Hürden bewältigen Kinder aus ihrer eigenen Natur heraus- auch schwierige Situationen können sie meistern. Das wird sie später ausmachen. Sie fordern dich auch als Erwachsenen heraus. Vorallem, wenn deine Ratschläge nicht funktionieren oder das Verhalten von deinem eigenen Temperament abweicht. Du hast vielleicht ganz andere Vorstellungen davon, wie dein Kind eine Situation lösen soll, als es dir zeigt.

Auch hier wird in der Geschichte von Winnie Pooh und seinen Freunden deutlich, was Betroffenen dann helfen kann:

  • Positive Erfahrung, es zu schaffen
  • Zuversicht von außen
  • passende Unterstützung durch andere
  • ich bin ok, wie ich bin

Aber wann wird es nun kritisch?

In der Infografik zu psychischen Problemen bei Kindern und Jugendlichen bei psychischen Problemen starte ich jetzt mit dir im ersten Schritt (siehe unten Bildergrafik)

 

Wie entstehen psychische Probleme?

Früher waren es „die Gene“, die man verantwortlich gemacht hat. Danach kam die Phase, als die Umwelt entscheidend war. Dann waren es die Lebensereignisse.

Die Wahrheit ist: Es ist von jedem etwas! Heute sprechen wir deshalb vom Vulnerabilitäs-Stress-Modell

Es gibt einfach kein fertiges Rezept, das vorher sagt, ob sich Menschen psychisch gesund entwickeln. Wohl aber wissen wir, welche zwei Zutaten ihre Wahrscheinlichkeit erhöht:

 

1. Die Grundausstattung deines Kindes

Stelle dir jetzt die Frage: Welches Temperament hat dein Kind? Ist es eher laut oder leise, aufgeschlossen oder introvertiert? Mutig oder ängstlich? Wie geht es an schwierige Situationen ran?

Oder du selbst?

Wir alle haben eine bestimmte Persönlichkeit, mit der wir in diese Welt starten.

Es geht niemals um die optimale Voraussetzung. Um das perfekte Kind.

Mir gefällt der Vergleich, dass die persönliche Verletzbarkeit (Vulneralbilität) wie ein Segelboot betrachtet werden kann: Jedes Segelboot hat einen Kiel, damit es auf Kurs bleibt. Dieser Kiel gehört zur Grundausstattung und wird unterschiedlich stark sein. Auch das Gewässer (Lebensumstände) hat Einfluß auf unsere Fahrt: Segelt das Boot in einem flachen, ruhigen Gewässer, wird es eine angenehme Tour sein. Was aber, wenn die See rau ist oder ein Unwetter kommt? Der eine wird dann ein rauer Seemann und beißt sich durch, ein anderer gibt auf.

 

2. Die persönliche Erfahrung in seinem Leben

Wir wissen nicht immer, welches Wetter auf uns zu kommt. Manchmal kommt eine starke Böe und bringt dich zum kentern  (eine Krankheit, ein Todesfall, ein schweres Lebensereignis u.s.w), dann wieder gibt es lang anhaltenden Sturm, der dich schwächt. Das ist unsere persönliche Erfahrung. Es ist das, was wir im Leben vorfinden. Jetzt brauchst du besondere Fähigkeiten, um das Boot zu steuern – das Ruder. Die haben Heranwachsende oft noch gar nicht. Aber sie können zu guten Seglern werden – oder sich ein Gewässer suchen, in dem sie sich sicherer fühlen.

Wenn ein Kind häufig oder dauerhaft das Gefühl hat: “ Das schaffe ich nicht…“, oder auch: „…das macht meine Mutter für mich, ich bin zu…“, dann wird es vielleicht aufhören, sich diese Anstrengung zuzutrauen.

Es ist also auch immer der Erwachsene gefragt. Wenn er die Antwort selbst nicht kennt, dann darf er sich einen Kapitän suchen, den er fragen kann.

 

Die häufigsten Probleme bei Kindern & Jugendlichen

Was macht Kindern & Jugendlichen nun besonders zu schaffen? Wo ist der Pfad besonders schmal, dann überfordert zu sein und daraus zu erkranken?

Es gibt tatsächlich Tendenzen. Und die sind oft auch an spezielle Altersgruppen gebunden. Vielleicht fragen wir sie selbst dazu ?

Dazu hat die bekannte Einrichtung „Nummer gegen Kummer“  eine umfangreiche Befragung durchgeführt. Es werden hier vor allem Probleme „mit sich selbst“ genannt. Diesen wirklich lesenswerten Bericht kannst du hier finden.

Es scheint also tatsächlich an Fragen zu hängen, wie:

  • Probleme mit dem eigenen Aussehen,
  • Selbstvertrauen
  • psychische Probleme
  • Langeweile und Einsamkeit

Das klingt zwar eher nach Problemen während der Jugendzeit (vermutlich werden hier auch eher ältere Kinder anrufen). Aber es ziehen sich psychische Schwierigkeiten durch alle Altersstufen. Das Robert-Koch Institut beschreibt die Verteilung folgendermaßen:

  • Emotionale Störungen: Allgemeine Ängstlichkeit, Schulangst, spezifische Ängste vor…, Depression, Eßstörung, psycho-somatische Störung und Stressbelastung
  • Störungen im Verhalten: z.B. ADHS, „abnorme“ Verhaltensmuster
  • Soziale Störungen: Kontaktschwierigkeiten, Mobbing

Die emotionalen Probleme haben während der Pubertät eindeutig die Mehrheit. Aber auch bei Kindern stehen Ängstlichkeit und Stresserleben stark im Vordergrund.

Ich finde die Aussagen nicht wirklich verwunderlich. Vor allem, wenn du dir bewußt machst, welche Herausforderung in der Zeit auf einen Teenager zukommen. Aber wie gut sind jungen Menschen wirklich darauf vorbereitet?

 

Wann solltest Du hellhörig werden?

Kommen wir jetzt zu den Schritten 2 und 3, denn das sind ja die wichtigsten. Es ist hilfreich, wenn du die Situation so objektiv wie möglich betrachtest. Auch Außenstehende können dir eine Einschätzung geben. Oft sind Notizen hilfreich, denn unsere Gefühle können uns gerade jetzt täuschen: Ein „oft“ ist wie oft? „lange“, heißt seit wann genau?

Damit bekommt deine Befürchtung eine solide Grundlage. Hier habe ich die wichtigsten Fragen in einer Infografik zusammen gefasst.

 

Und jetzt?- Eine Empfehlung für Eltern

Jetzt geht es um Beschluss fassen!  Ist die Situation nur für dich als Erwachsene Besorgnis erregend, oder auch für dein Kind? Wie sehr hindert es und vor allem wen?  Schaue, wie viele Fakten dafür sprechen, dass Unterstützung sinnhaft wäre. Und komme ins Handeln.

Was kannst Du tun?

Abschließen findest Du 11 Tipps, die du konkret anwenden kannst:

Tipp 1#

Wenn du etwas für das Selbstvertrauen und Selbstwert deines Kindes tun möchtest, beginne bei dir selbst. Du kannst nur überzeugend vermitteln und weiter geben, was du selbst besitzt.

Tipp 2#

Zeige Interesse daran, was dein Kind zu sagen hat- auch wenn es älter ist. Auf diese Weise zeigst du ihm, dass du seine Gedanken, Gefühle und Person ernst und wichtig nimmst. Dieser Schritt beinhaltet keine Ratschläge oder Kommentare.

Tipp 3#

Nimm nicht alles persönlich, auch wenn dein Jugendlicher dich nicht als erste Vertraute/n sieht. Das ist völlig normal und geht vorrüber. Rspektiere die Grenzen deines Heranwachsenden, auch wenn es nicht mit deinen Werten überein stimmt.

Tipp 4#

Anerkennde und lobende Worte und Gesten sind der einfachste, schnellste und beste Weg, um das Selbstwertgefühl deines Kindes zu stärken. Kinder wollen – wie Erwachsene – um ihrer selbst willen gemocht werden – d.h.ungeachtet ihrer Fehler, Schwächen und Stärken.

Tipp 5#

Ermutige es, neue Dinge auszuprobieren und gebe ihm Sicherheit, dass du für es da bist, wenn es dich braucht. Biete ihm Hilfe und Unterstützung an, wenn du merkst, dass es an sich zweifelt oder nicht voran kommt.

Tipp 6#

Nimm dein Kind einfach mal in den Arm und sag ihm: Ich mag dich, ich bin froh, dass du da bist.

Tipp 7#

Halte dich mit Kritik zurück und orientiere dich am gezeigten Verhalten und nicht an der Person. Sage ihm z.B. „Ich mag dich gern, aber deine Nörgelei, damit kann ich nicht umgehen, das gefällt mir nicht. Damit gibst du ihm das Gefühl, als Mensch wertvoll zu sein, auch wenn sein Verhalten nicht in Ordnung war.

Tipp 8#

Sei deinem Kind Vorbild, indem du ihm z.B. zeigst, wie es mit Fehlern und Schwächen umgehen kann. Zeige ihm, dass man Fehler machen darf, wenn man daraus lernt – ohne sich dafür zu schämen oder zu verurteilen.

Tipp 9#

Packe dein Kind nicht in Watte oder behandele es wie ein rohes Ei. Dieser Tipp ist besonders wichtig, wenn dein Kind Selbstvertrauen entwickeln soll. Wie soll es sich selbst trauen, wenn du es nicht tust? Kinder dürfen auch Risiken eingehen und lernen, dass Fehler, Zurückweisung, Kummer, Schmerz und Niederlagen zum Leben gehören. Eltern möchten ihre Kinder schützen. Wenn Eltern ihre Kinder aber über-behüten, indem sie ihnen diese Situationen  vorenthalten, alle Steine und Hürden aus dem Weg räumen, dann gaukeln sie ihnen eine Welt vor, die es nicht gibt. Sie werden nicht lebens-tüchtig.

Tipp 10#

Beginne bei dir selbst auch Schmerz und Niederlagen anzuerkennen als eine Chance mutiger zu werden- und auch um Hilfe zu bitten.

Tipp 11#

Du suchst hier Tipp 11?

Verrate ihn mir. Was könntest du selbst aus deinem Leben empfehlen?

Ich freue mich, wenn du uns deinen persönlichen Tipp weiter gibst, genau hier in den Kommentaren.

Solltest du selbst als Mutter/Vater betroffen sein und vermutest, dein Kind braucht therapeutische Unterstützung, dann kontaktiere uns gerne hier.