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Weißt du, welche Frage mir am häufigsten in der Praxis gestellt wird?

Nicht die Frage, wie man einen Zustand verändern kann.

Es ist die Frage nach dem WARUM.

Warum bin ich so…?

Warum habe ich das…?

Warum schaffe ich das nicht…?

Der Mensch hat ein tiefes Bedürfnis danach, zu verstehen, was mit ihm los ist.

Je größer der Schmerz, desto dringlicher die Antwort darauf.

Bindungsangst ist schmerzhaft. Für Betroffene, aber auch für ihre engsten Mitmenschen.

Bindungsangst verhindert den vertrauensvollen Kontakt zu Menschen. Wir fühlen uns unsicher, getrennt, einsam und oft auch irgendwie „komisch“.

Warum bin ich so?

Die häufigsten Gründe, erfährst du in diesem Artikel.

Zunächst einmal ist es mir sehr wichtig, dass du verstehst, dass nichts mit dir komisch ist.

Ganz gleich, ob du den Kontakt zu Menschen oder Beziehungen ablehnst, oder Beziehungen für dich eher enttäuschend oder anstrengend sind.

Oft stellen wir uns aber früher oder später die Frage, warum unsere Beziehungen so sind, wie sie sind.  Nämlich dann, wenn wir einsam sind, immer gleiche Beziehungs-Erfahrungen machen oder niemals echte Nähe erleben.

Für andere entsteht das Problem dadurch, dass sie es nicht schaffen, sich aus negativen Beziehungen  zu lösen.

Um diese Frage zu beantworten, reicht es oft nicht, die letzte Partnerschaft zu betrachten. Die Antwort liegt wesentlich weiter zurück.

In deiner Kindheit.

Die Antwort mag dich jetzt wenig überraschen. Irgendwie scheint es, als lägen alle Ursachen für Freud und Leid in der Kindheit.

Meine persönliche Antwort darauf ist: Ich bezeichne die Kindheit nicht als Ursache, im Sinne von „schuldig!“. Sondern, ich nutze Erkenntnisse aus der persönlichen Biografie, um zu verstehen, warum wir reagieren, wie wir es heute noch tun.

Nach den Ursachen zu schauen, ist immer die Chance, Wiederholungen und Endlos-Schleifen zu stoppen. Und diese Chance haben wir alle.

 

Die sichere Bindung

Bindung ist die Basis im Leben. Sie entsteht noch vor der Geburt, vor der Ent-Bindung. Es beschreibt das Gefühl von Sicherheit, Wärme, Geborgenheit und Liebe.

Die erste drei Lebensjahre sind dabei am prägendsten. In den meisten Fällen können wir uns nicht mehr bewusst an diese Zeit erinnern.

In dieser Zeit werden vier Bindungsformen identifiziert.

Besonders in dieser frühen Zeit nimmt das Kleinkind-Gehirn sämtliche Reize ungefiltert wahr. Dabei gibt es 2 entscheidende Signale: Sicherheit oder Gefahr.

Aus Sicht eines abhängigen Säuglings muss nicht viel passieren, damit sein „Gefahren-Zentrum“ anschlägt: Kälte, Hunger, Schmerzen, Müdigkeit, aber auch Langeweile und fehlende Berührung sind sehr stressig für sein Gehirn. Es geht immer um sein Überleben.

Sie schreien. Manche geben irgendwann auf und „erstarren“.

Hinzu kommt, dass wir unterschiedliche Persönlichkeiten sind. Unsere Toleranz für Stress ist sehr individuell.

Wird Gefahr zeitnah beruhigt und ernst genommen, entstresst sich der Organismus wieder. Der Säugling wird ruhig.

Je zuverlässiger diese sichere Erfahrung gemacht wird, desto sicherer ist das Vertrauen in die Menschen, die um das Kind herum sind. Die Eltern oder auch eine sichere Bezugsperson.

Das Kind lernt, offen in Kontakt mit Menschen zu sein und seine Gefühle gut auszudrücken und zu regulieren.

Kinder wachsen heran und machen Erfahrungen, werden eigene Persönlichkeiten.

Nun ist die Zeit, wo es um „Bedingungen“ geht. Bedingungen die elterliche Liebe zu bekommen.

Waren die ersten Monate vor allem Nähe-Erfahrung wichtig, rückt nun die Chance näher, autonom von der Bezugsperson zu werden. Im sicheren Abstand zu den Eltern entwickelt das Kind Neugier und Erkundungs- und Freiheitsimpulse.

Hier entsteht bereits der Balanceakt zwischen Nähe und Autonomie und welche Erfahrungen damit gemacht werden.

Diese Erklärung ist für einen Entwicklungs-Psychologen dürftig, aber es reicht hier aus, um den Unterschied zu verstehen, welche Erfahrungen im Gehirn abgespeichert werden.

Beim Thema Bindungsangst geht es immer um einen (Aus)Weg, Stress zu regulieren.

Woher kommt dieser Stress?

 

Bindungsangst: Nähe=Stress

Wie bereits beschrieben, ist Bindungsangst immer ein Nähe-Distanz Konflikt.

Konflikte, auch unbewusste, wirken auf den Organismus stressig. Deshalb suchen wir nach Auswegen, diesen Stress zu vermeiden oder zu regulieren.

Bei Bindungsangst haben Kinder oder Heranwachsende die vorrangige Erfahrung gemacht, dass Nähe anstrengend oder auch überwältigend ist. Diese Erfahrung soll nicht wiederholt werden, das ist der innere Auftrag.

Dafür kann es sehr unterschiedliche Ursachen geben:

  • Der frühkindliche Wunsch nach Autonomie wird mit starren Regeln und Machtanspruch der Erwachsenen bezwingt.
  • Der Wunsch nach Autonomie wird  beantwortet, indem z.B. Mutter/Vater dies persönlich nehmen, gekränkt sind und so ein schlechtes Gefühl im Kind auslösen.
  • Erfahrung des Kindes von Nähe-Überflutung und Vereinnahmung durch die Mutter/Vater.
  • Erfahrung, dass Mutter/Vater sehr bedürftig sind und dadurch das Kind gelernt hat, früh Verantwortung für deren Glück und Wohlsein zu übernehmen.
  • Erfahrung, dass Mutter/Vater traurig oder enttäuscht sind, wenn sich das Kind „entfernt“.
  • Erfahrung, dass Mutter/Vater gestresst und überfordert sind und dadurch nicht zur Last fallen wollen.
  • Dauerhafte Konflikte bei den Eltern können zu der Erkenntnis führen, dass Streit keine Lösung hat und stressig ist.
  • Das Kind identifiziert sich mit dem „schwächeren“ Elternteil und will sie/ihn retten. Dies ist natürlich eine Überforderung, die nicht gelingen kann.
  • Verlust von Mutter/Vater oder auch ihre innere Abwesenheit durch Krankheit, Sorgen oder ähnliches.
  • Frühe Erfahrung von Einsamkeit und Verlassenheit kann zu einem Abspalten von Gefühlsimpulsen führen. Sie schalten ab und schützen sich in eine „rationale Welt“.

Nähe wurde in diesen Fällen nicht als stabile und positive Erfahrung gespeichert. Nähe wird als Angst stiftend, anstrengend, fordernd und mit Schuldgefühlen verknüpft.

Unbewusst oder auch aktiv spüren die Betroffenen den Moment, wann zu viel Nähe entsteht. Nähe wird als Stressor im System beantwortet. Die intuitive Reaktion darauf: Flucht, mauern (erstarren) oder Kampf (Streit z.B.).

Genau diese Strategien nutzt der aktive und passive Beziehungs-Vermeider.

 

Bindungsangst: Autonomie=Stress

In diesen Fällen ist der Nähe-Autonomie Balance in die andere Richtung gekippt: In die Abhängigkeit von Nähe.

In der Entwicklung der Betroffenen wurde kaum die Erfahrung gemacht, Autonomie oder Eigenständigkeit zu entwickeln. Sie bleiben auch im Erwachsenenalter an einer inneren Nabelschnur hängen.

Ihr inneres Credo lautet: Ich brauche dich!

Besonders tragisch ist dies, wenn sie in Beziehungen sind, die objektiv schädlich für sie sind. Die Angst vor dem Verlust dieses Menschen ist größer als der Leidensdruck innerhalb der Beziehung.

Hier kannst du im Video sehen, was du bei Verlustangst tun kannst (aus Sicht einer Frau allerdings:-)).

Die Gründe für einen klammernden Beziehungsstil können sein:

  • Ein/e ambivalente Beziehung zu Mutter/Vater: mal liebevoll, mal abweisend oder unvorhersehbar wütend. Die Reaktion ist für das Kind schwer einzuschätzen und verlässlich, so dass es feinste Antennen entwickelt, Stress oder Ärger zu vermeiden.
  • Unerfüllbare Erwartungen: Das Kind hat die Einschätzung, es nie gut oder recht machen zu können. Es ist dauerhaft bemüht, die Erwartungen zu erfüllen auf der Suche nach Anerkennung und Zustimmung.
  • Wenig Fähigkeiten erworben, autonom und selbstständig zu handeln. Dadurch prägt sich das Selbstbild: Das kann ich nicht alleine, mach das für mich.
  • Starkes Streben der Eltern nach Harmonie und Übereinstimmung, so dass Wünsche nach Einzigartigkeit unterdrückt werden, zugunsten der Harmonie.

Die Grundhaltung dieser Menschen ist: Ich bin nicht ok, aber du bist ok!

Oft treffen sie auch in ihrem späteren Leben auf Partner und Menschen, die sie ähnlich behandeln, wie es ihre Mutter/Vater tat, mit dem irren Wunsch, jetzt endlich erlöst zu werden.

 

Fehlender Selbstwert

Der Selbstwert ist ein ganz wesentlicher Baustein für unsere seelische Gesundheit. Es ist die innere Überzeugung ein wertvoller Mensch zu sein, Fehler machen zu dürfen und gut behandelt zu werden.

Menschen, die als Kinder einen unsicheren Bindungsstil erworben haben, haben in der Regel ein Problem mit ihrem Selbstwert. Das betrifft die vermeidende Bindungsangst, als auch die klammernde Bindungsangst. Sie hatten wenig Erfahrung damit, sich angenommen zu fühlen, so wie sie sind. Bindung war an anstrengende oder überfordernde Bedingungen geknüpft. Manche haben ihr Lebensglück vollständig in die Hände des Partners gelegt und sich vergessen.

Das bedeutet nicht, dass viele von ihnen sehr erfolgreich in ihrem Leben sind. Erfolg, Leistung, Äußerlichkeiten eigenen sich hervorragend dafür, ein Defizit im Selbstwert im außen auszugleichen.

Aber eben nur nach außen.  Im Inneren bleiben sie unsicher, abgestumpft oder unverbindlich. Dieses Ziel auf Dauer sehr anstrengend und kann in Sackgassen führen, in Erschöpfung oder Krankheit.

Das Schlimmste ist die Einsamkeit.

 

Gesunde Grenzen

Beziehungsfähigkeit setzt auch voraus, dass wir unsere persönlichen Grenzen erkennen und erfolgreich durchsetzen, bzw diese verhandeln.

Diese Erfahrung fehlt bei der Bindungsangst. Bindungsängstliche Menschen haben die Erfahrung gemacht, dass ihre Grenzen nicht wichtig sind oder nicht geachtet wurden. Viele kennen sie gar nicht, da ihr Fokus auf der Reaktion ist, die eine andere Person zeigt.

Der aktive Vermeider schützt seine Grenzen panisch und äußerst rigoros. Er geht  in die Verweigerung.

Der passive Vermeider tut dies eher intuitiv, indem er Situationen aufsucht oder gestaltet, so dass echte Nähe nicht möglich ist (Bsp. Dreiecks-Beziehung, unerreichbare Partner).

Der abhängige Partner hat keine Grenzen, er stellt keine auf. Damit wird er zu einem Gegenüber, der in seiner Persönlichkeit wenig ernst genommen wird. Diesen Preis zahlt er, um niemanden zu verlieren.

 

Fazit

Wenn in unseren Beziehungen etwas falsch läuft, denken die wenigsten, es könnte etwas mit ihnen selbst oder ihrem Bindungsstil zu tun haben. Wir suchen die Ursachen bei der Zahnpastatube, das der Mann ein Workaholic ist, oder dass eben die Luft raus ist.

Daran ist auch nichts falsch. Nur, ist das zielführend?

Dann gibt es aber auch die Menschen, die leiden. Sie leiden darunter, dass sie starke Verlustängste haben und ihre Eifersucht ihr Leben ruiniert.

Jene, die sich nach Nähe sehnen und niemals ankommen.

Die, die einfach nicht los kommen, obwohl sie unglücklich sind.

Und solche, die zum 79mal an den ähnlichen Typ geraten sind.

Für all diese Menschen wünsche ich mir, dass sie Mut haben echte Nähe und Autonomie zu entwickeln.

Wie, das zeige ich dir im folgenden Artikel, versprochen.

Ja, ich weiß, das braucht Mut.

Für alle, die sich schon mal zum Thema Verlustangst inspirieren lassen möchten, schau dir dieses Video an.

Herzlich,

Deine Bea