Gratis-Online-Kurs: Stärke dich in schwierigen Zeiten zum Gratis Online-Kurs

In unsere Praxis kommen Menschen um Beratung und Unterstützung zu den unterschiedlichsten Fragen und Themen zu erhalten. Die Frage, die mir dabei am häufigsten gestellt wird, ist nicht die Frage, wie man einen Zustand verändern kann.

Es ist die Frage nach dem „Warum“.

Der Mensch hat ein tiefes Bedürfnis danach, zu verstehen, was mit ihm los ist. Je größer der Schmerz, desto dringlicher das Bedürfnis nach einer Antwort.

Besonders bei Beziehungen stellen wir uns früher oder später die Frage, warum unsere Beziehungen so sind, wie sie sind. Vor allem, wenn wir einsam sind, immer gleiche Beziehungserfahrungen machen oder niemals echte Nähe erleben. Manchmal auch, wenn wir uns nicht aus negativen Beziehungen lösen können.

Bindungsangst ist schmerzhaft. Für die Betroffenen, aber auch für ihre engsten Mitmenschen. Bindungsangst verhindert den vertrauensvollen Kontakt zu anderen Menschen. Wir fühlen uns unsicher, getrennt, einsam und manchmal komisch.

Warum bin ich „komisch“?

Es ist wichtig, dass du verstehst, dass nichts mit dir komisch ist. Ganz gleich, ob du den Kontakt zu Menschen oder Beziehungen ablehnst, oder Beziehungen für dich eher enttäuschend oder anstrengend sind.

Die Antworten auf Beziehungsangst liegen oft nicht in der letzten Partnerschaft, sondern reichen wesentlich weiter zurück.

Sie reichen in deine Kindheit zurück. Das mag dich überraschen.

Unsere Kindheit ist die Gelegenheit, Erkenntnisse aus unserer persönlichen Biografie zu gewinnen. Damit können wir verstehen, warum wir reagieren, wie wir es tun. Wenn wir die Ursachen verstehen, haben wir die Chance, Wiederholungen und Endlos-Schleifen zu stoppen. Diese Chance haben wir alle.

 

Unser Bindungsverhalten stammt aus unserer Kindheit

Bindung ist die Basis im Leben. Sie entsteht noch vor der Geburt, vor der Ent-Bindung. Sie beschreibt Gefühle wie Sicherheit, Wärme, Geborgenheit und Liebe. Die ersten drei Lebensjahre sind dabei am wichtigsten.In dieser Zeit werden vier Bindungsformen identifiziert.

Besonders in der frühen Zeit nimmt das Kleinkind-Gehirn sämtliche Reize ungefiltert wahr. Dabei gibt es zwei entscheidende Signale: Sicherheit oder Gefahr. Aus der Sicht eines abhängigen Säuglings muss nicht viel passieren, damit sich sein Gefahren-Zentrum aktiviert: Kälte, Hunger, Schmerz, Müdigkeit, aber auch Langeweile und fehlende Berührung sind sehr stressig für sein Gehirn. Es geht um sein Überleben. Er schreit. Manchmal gibt er auf und „erstarrt“. Wird Gefahr zeitnah beruhigt und ernst genommen, entstresst sich sein Organismus wieder. Der Säugling wird ruhig. Je zuverlässiger diese sichere Erfahrung gemacht wird desto sicherer ist das Vertrauen in die Menschen, die das Kleinkind betreuen.

Kinder wachsen auf und machen Erfahrungen. Sie lernen, offen in Kontakt mit Menschen zu sein, ihre Gefühle gut auszudrücken und zu kontrollieren. Sie entwickeln sich zu eigenen Persönlichkeiten. Es beginnt die Zeit, in der es um Bedingungen geht. Bedingungen, um die elterliche Liebe zu erhalten. Waren in den ersten Monaten ihre Lebens vor allem Nähe-Erfahrungen wichtig, zählt nun, unabhängig von den Bezugspersonen zu werden. In sicherem Abstand zu den Eltern entwickelt das Kind Neugier und folgt seinen Erkundungs- und Freiheitsimpulsen.

In dieser Zeit entsteht der Balanceakt zwischen Nähe und Unabhängigkeit. Es ist besonders wichtig, welche Erfahrungen dann mit diesen beiden Themen gemacht werden. Diese Erklärung ist für einen Entwicklungs-Psychologen dürftig, aber es reicht hier aus, um den Unterschied zu verstehen, welche Erfahrungen im Gehirn abgespeichert werden.

Du kannst in diese Zeit zurück gehen und Erkenntnisse für dein jetziges Verhalten daraus ziehen.

 

Bindungsangst: Nähe = Stress

Beim Thema  Bindungsangst geht es darum, Stress zu regulieren. Nähe bedeutet für bindungsängstliche Menschen Stress. Deshalb suchen diese Menschen nach Lösungen, um diesen Stress zu vermeiden oder zu kontrollieren.

Bei Bindungsangst haben Menschen als Kinder oder Heranwachsende die Erfahrung gemacht, dass Nähe anstrengend oder überwältigend ist. Diese Erfahrung soll auf keinen Fall wiederholt werden.

Die stressenden Erfahrungen können sehr unterschiedlich gewesen sein:

  • Die Bezugspersonen reagieren auf den frühkindlichen Wunsch nach Unabhängigkeit mit starren Regeln und Machtanspruch.
  • Die Eltern nehmen den Unabhängigkeitswunsch des Kindes negativ auf und lösen damit ein schlechtes Gefühl in ihm aus.
  • Das Kind macht die Erfahrung einer Nähe-Überflutung und Vereinnahmung durch seine Eltern.
  • Das Kind macht die Erfahrung, dass sein Eltern bedürftig sind und lernt, früh Verantwortung für ihr Glück und Wohlbefinden zu übernehmen.
  • Die Eltern reagieren traurig oder enttäuscht, wenn das Kind sich „entfernt“.
  • Die Bezugspersonen sind überfordert, und das Kind möchte nicht zur Last fallen.
  • Ständige Konflikte zwischen den Eltern bestätigen dem Kind, dass Streit nicht lösbar und stressig ist.
  • Das Kind identifiziert sich mit dem „schwächeren“ Elternteil und will sie/ihn retten. Das ist eine Überforderung, weil das in diesem Alter nicht gelingen kann.
  • Sind die Elternteile krank, haben Sorgen, oder sind sie ähnlich abwesend, „verliert“ das Kind seine Eltern.
  • Das Kind macht frühe Erfahrungen von Einsamkeit und Verlassenheit. Das kann dazu führen, dass es abschaltet und sich in eine rationale Welt flüchtet.

Nähe wurde in diesen Fällen nicht als stabile und positive Erfahrung gespeichert. Nähe wird als angsterzeugend, anstrengend und fordernd erlebt und mit Schuldgefühlen verbunden.

Unbewusst oder auch aktiv spüren die Betroffenen im späteren Leben sofort, wenn zuviel Nähe entsteht. Nähe wird dann vom System als Stressfaktor erlebt. Die intuitive Raktionen darauf können Flucht, Erstarren oder Kampf sein.

Genau diese Strategien nutzt der aktive und passive Beziehungs-Vermeider.

 

Bindungsangst: Unabhängigkeit = Stress

In diesem Fall ist das Nähe-Unabhängigkeit-Gleichgewicht in die andere Richtung gekippt: In die Abhängigkeit von Nähe.

Die Betroffenen haben wenige oder keine Erfahrungen damit gemacht, Eigenständigkeit zu entwickeln. Sie bleiben auch im Erwachsenenalter an einer inneren Nabelschnur hängen. Ihr inneres Credo lautet:“ Ich brauche Dich!“

Besonders tragisch ist das, wenn sie in Beziehungen sind, die objektiv schädlich für sie sind. Die Angst vor dem Verlust ihrer Bezugsperson ist größer als der Leidensdruck innerhalb der Beziehung.

Oft entwickeln die Betroffenen einen klammernden Beziehungsstil. Die Gründe dafür können unterschiedlich sein:

  • Eine widersprüchliche  Beziehung zu Mutter/Vater: mal liebevoll, mal abweisend oder unvorhersehbar wütend. Die zu erwartende Reaktion ist für das Kind schwer einzuschätzen. Es entwickelt feinste Antennen, um Stress oder Ärger aus dem Weg zu gehen.
  • Unerfüllbare Erwartungen: Das Kind fühlt, dass es nie etwas gut oder jemandem recht machen kann. Es bemüht sich, die Erwartungen zu erfüllen, um Anerkennung oder Zustimmung zu bekommen.
  • Das Kind erwirbt wenige Fähigkeiten, unabhängig und selbstständig zu handeln. Dadurch prägt sich ein Selbstbild, etwas nicht alleine machen zu können. Andere müssen das übernehmen.
  • Ein starkes Streben der Eltern nach Harmonie und Einklang. Wünsche nach Einzigartigkeit werden zugunsten der Harmonie unterdrückt.

Die Grundhaltung dieser Menschen ist: Ich bin nicht ok, aber du bist ok!

Sie können in ihrem späteren Leben auf Partner oder Menschen treffen, die sie ähnlich wie ihre Eltern behandeln. Dabei hegen sie den Wunsch, nun endlich „erlöst“ zu werden.

 

Fehlender Selbstwert

Selbstwert ist ein sehr wichtiger Baustein für unsere seelische Gesundheit. Es ist die innere Überzeugung ein wertvoller Mensch zu sein, Fehler machen zu dürfen und gut behandelt zu werden.

Menschen, die als Kinder einen unsicheren Bindungsstil entwickelt haben, haben in der Regel einen geringen Selbstwert. Das betrifft vor allem die vermeidende Bindungsangst, als auch die Klammernde. Die Betroffenen hatten wenige Erlebnisse, in denen sie sich angenommen fühlten, so wie sie sind. Bindung war mit anstrengenden oder überfordernden Bedinungen verbunden. Manche legen ihr Lebensglück vollständig in die Hände der Bezugspersonen und vergessen sich dabei.

Das bedeutet nicht, dass sie nicht erfolgreich in ihrem Leben sein können. Erfolg, Leistung und Äußerlichkeiten eignen sich hervorragend dafür, das Fehlen von Selbstwert auszugleichen oder zu überspielen.

Im Inneren bleiben die Betroffenen unsicher, abgestumpft oder unverbindlich. Das ist auf Dauer anstrengend und kann in die Sackgasse Erschöpfung oder Krankheit führen. Oder im schlimmsten Fall Einsamkeit.

 

Fehlende Grenzen

Beziehungsfähigkeit setzt auch voraus, dass wir unsere persönlichen Grenzen kennen und erfolgreich verhandeln und durchsetzen. Diese Erfahrung fehlt bei der Bindungsangst. Bindungsängstliche Menschen haben die Erfahrung gemacht, dass ihre Grenzen nicht wichtig sind oder nicht geachtet wurden. Viele kennen sie gar nicht, weil ihr Fokus auf die Reaktion gerichtet ist, die eine andere Person zeigt.

Der aktive Vermeider schützt seine Grenzen panisch und sehr streng. Er geht  in die Verweigerung.

Der passive Vermeider macht das eher intuitiv, indem er Situationen aufsucht oder provoziert,  sodass echte Beziehung nicht möglich ist (wie in Dreiecks-Beziehungen oder unerreichbaren Partnern).

Der abhängige Partner hat keine Grenzen. Er stellt keine auf. Damit wird er zu einem Gegenüber, der in seiner Persönlichkeit wenig ernst genommen wird. Diesen Preis zahlt er, um niemanden zu verlieren.

 

Raus aus der Angst

Wiederholen sich die selben schmerzvollen Situationen mit wichtigen Bezugspersonen mehrmals, entwickeln die Betroffenen Angst vor Nähe. Das muss gar nicht bewusst passieren, sondern passiert im Unterbewusstsein und wird dort abgespeichert.

Die Betroffenen wünschen sich bewusst oft Beziehungen, aber erleben immer wieder, dass sie damit scheitern. Ihre unbewusste innere Angst hält sie vor einer Beziehung zurück.

Wenn diese Menschen eine Zeitreise in ihre Vergangenheit akzeptieren, können sie sich selbst besser verstehen lernen. Sie erkennen, was ihre damaligen Ängste waren, und wie diese sich im Unterbewusstsein abgespeichert haben. Im besten Fall lassen sie los und ändern ihre Verhaltensmuster.

Der beste Weg dein Muster zu verändern,  ist immer starten. In meinem Online-Partner-Programm findest du professionelle Kurse dafür!

 

Geht es dir so?

Wenn in unseren Beziehungen etwas falsch läuft, denken die wenigsten, dass es etwas mit ihnen selbst oder ihrem Bindungsstil zu tun hat. Wir suchen die Ursachen am Verhalten unseres Gegenübers. Das ist nicht zielführend. Wir erzielen bessere Ergebnisse, wenn wir uns mit uns selbst auseinander setzen.

Mein Wunsch für alle Menschen ist, dass sie Mut haben, echte Nähe zuzulassen und Unabhängigkeit zu entwickeln.

Wie das geht, zeige ich dir in meinem nächsten Artikel. Für alle, die gleich loslegen wollen, ist hier ein möglicher Lösungsweg.

 

Herzlichst,

Deine Bea